Cormac McCarthy: Die Strasse

•Juni 2, 2008 • Keine Kommentare

“Ein Mann, sein Sohn und ein Einkaufswagen kämpfen gegen eine Welt aus Asche.” So könnte der Untertitel dieses düsteren Reiseführers durch eine - aus nicht genannten Gründen - komplett in Asche gelegte Zukunft lauten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Klimadebatte liegt es jedoch nahe, die Ursachen für den katastrophalen Zustand der Welt bei unserer “Zivilisation” zu suchen, doch eigentlich ist das Wurst: Wenigstens der Einkaufswagen, rollendes Symbol unserer Konsumgesellschaft, hat überlebt - obwohl es längst nix mehr zu kaufen gibt: Die Ladenbesitzer sind tot, ihre Auslagen geplündert. Im Shopping-Wägelchen landet zusammengeklautes, gefundenes oder selbst gebasteltes Zeug, das das Überleben von Vater und Sohn für die nächsten paar Tage sicherstellen soll: Decken, alte Konservendosen und - natürlich: eine Knarre. Denn diese Apokalypse ist von Kannibalen besiedelt, die ihre eigenen Kinder grillieren und darum natürlich auch zu einem Vater-Sohn-Ragout nicht nein sagen würden. Ende gut, alles gut? Auf dieser Strasse sicher nicht. Und das ist gut so!

Frisch: Der Mensch erscheint im Holozän

•Mai 27, 2008 • Keine Kommentare

Ganz frisch ist der Mensch fürwahr nicht mehr, den Frisch im Holozän erscheinen liess. Doch die Erdgeschichte lässt sich durch ein paar Jährchen nicht beeindrucken: Im Holozän leben wir seit eh und je und es wird für alle von uns nicht einfach, das nächste Erdzeitalter mitzuerleben. Wer Frisch’s Erzählung lesen will, braucht jedoch nicht ganz so viel Zeit: Auf gut 150 Seiten jagt der Autor seinen Helden, Herrn Geiser, durch den Plot, lässt ihn kunstvoll verfallen und dabei eine Katze braten. Damit hat Frisch nicht nur dem Begriff “In die Röhre gucken” eine ganz neue Bedeutung verliehen, er hat es auch verstanden, das Verhältnis zwischen (übermächtiger) Natur und (gebrechlichem) Menschen eindrücklich darzustellen. Ein unvergänglicher Text über die Vergänglichkeit, möchte man meinen.

Goethe: Die Leiden des jungen Werthers

•Mai 26, 2008 • Keine Kommentare

«Ein Mann und sein Kugelschreiber kämpfen gegen das Liebeselend.» So lautet der Untertitel der Erstausgabe von Goethes “Die Leiden des jungen Werthers” aus dem Jahr 1783. Schon bei der zweiten Auflage wurde der Untertitel jedoch auf Rat des Verlegers Winckelmann entfernt, da er das Lesen des Buches eigentlich unnötig machte: Tatsächlich dreht sich dieses Jugenwerk Goethes um einen jungen Mann (Werther), der nichts anderes tut als herumzuliegen, zu heulen und schwülstige Briefe zu schreiben. Bei Partys steht er nur am Fenster ‘rum und klopft den Stock.

Weil Werther mit dieser Masche bei den Frauen keine Chance hat, tauscht er am Ende seinen Kuli doch noch gegen eine Knarre aus und versucht, sich zu erschiessen. Auch dies gelingt ihm aber nur mässig, weshalb er in unserer Erinnerung als ziemlich tragische Gestalt für immer fortlebt.

W. Shakespeare: Romeo und Julia

•Mai 23, 2008 • Keine Kommentare

Der Plot dieses Klassikers, der im Milieu der englischen Aristokratie spielt, ist schnell erzählt: Romeo, der Sohn eines einflussreichen Pfalzgrafen, verfällt dem ukrainischen Zierhamster Julia. Die Liebe Romeos bleibt jedoch unerwiedert. Julia zieht ihr Hamsterrad und den Futternapf dem Liebesglück mit Romeo vor. In seiner Verzweiflung handelt Romeo nicht mehr rational und fordert Julia zum Giftbecherduell. Für den Hamster ist die Annahme der Herausforderung eine Frage der Ehre. Als Romeo wieder zu Sinnen kommt, gibt es kein Zurück mehr: Zieht er seine Forderung zurück, wird er gesellschaftlich geächtet. Nimmt er sie an, muss er sich mit der Liebe seines Lebens duellieren. Im meisterlich komponierten Showdown gelingt es Romeo nach langem Kampf, dem Hamster Gift einzuflössen. Im anschliessenden Monolog des Protagonisten wird jedoch seine tiefe, rettungslose Verzweiflung offenbar: Als gelangweilter Sohn reicher Eltern ist er seinen Leidenschaften hilflos ausgesetzt, kann zugleich aber die Fesseln der Konvention nicht ablegen. Mit dem Mord an seiner Geliebten ist auch sein eigenes Schicksal besiegelt: Sein Leben hatte schon vorher keinen Sinn, und auch jetzt nicht mehr. In kompromissloser Schonungslosigkeit treibt Shakespeare seinen Protagonisten in den Selbstmord, mit dem das Drama abrupt endet.

“Romeo und Julia” ist ein Stoff, der bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüsst hat. Themen wie die Suche nach Sinn, die Liebe zu kleinen Tieren, aber auch das schwierige Verhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum werden nach wie vor intensiv diskutiert. Shakespears verwebt in seinem Drama diese Themen zu einem Netz, in dem sich Romeo immer mehr verstrickt.

Bei der Uraufführung des Stücks 1684 kam es übrigens zu einem Skandal, weil die Rolle der Julia von einer menschlichen Schauspielerin übernommen wurde: Die intimen Liebesszenen waren für die damalige Zeit entschieden zu freizügig, weshalb die Rolle künftig nurmehr mit Hamstern besetzt wurde.

\"Hamsti\" in der Rolle der Julia

Tatort Büro: Frisch benutzter Hefter sichergestellt

•Mai 21, 2008 • Keine Kommentare

Die Stadtpolizei Zürich hat in einem Büro einen frisch benutzten Schnellhefter sichergestellt. “Wir schliessen nicht aus, dass der Hefter bei einem Verbrechen zum Einsatz kam”, sagte Polizeisprecher Peter Grott. Ein Büroangestellter hatte das noch warme Gerät kurz nach Mittag entdeckt und sofort die Polizei verständigt. Der Mann steht unter Schock und erhält zur Zeit psychologische Betreuung. Beim Management des kleinen Betriebes herrscht grosse Betroffenheit: “Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass bei uns so etwas geschehen kann”, sagte CEO Dieter Klein. Bereits trifft das Unternehmen Vorkehrungen, um den Missbrauch von Schnellheftern künftig zu unterbinden: “Wer unbeaufsichtigt einen Schnellhefter benutzt, muss mit der fristlosen Kündigung rechnen.”

Schnellheftermissbrauch im Trend

Generell haben die Schnellheftermissbräuche in der Schweiz in den letzten Jahren rasant zugenommen: Waren bei der Polizei im Jahr 2002 insgesamt 257 Missbräuche gemeldet, hat sich die Zahl bis 2007 mit 610 Missbräuchen mehr als verdoppelt. Und die Dunkelziffer ist hoch: Bei der Stadtpolizei geht man davon aus, dass lediglich jeder dritte Missbrauch zur Anzeige gelangt.

Doofe Bandnamen

•Februar 15, 2008 • Keine Kommentare

Jeder kennt einen Künster oder eine Band mit einem doofen Namen. Manchmal ist das gut, weil der Name zugleich ein Statement zur fabrizierten Musik ist (”DJ Bobo”, “Die Flippers”) , das vor Enttäuschungen und falschen Erwartungen bewahrt. In anderen Fällen wird der doofe Name quasi zur self-fullfilling prophecy. Das ist etwa bei der Band mit dem wahnsinnig doofen Namen Live der Fall: Waren die ersten beiden Platten ok respektive super (throwing copper), so wurde der Sound mit jeder Veröffentlichung mehr zu tranigem Eso-Gitarrenpop. Traurig.

Bei all diesen Beispielen muss man sagen: Ihr habt euren doofen Namen verdient. Es gibt jedoch auch tragische Beispiele für Bands, die tolle Musik machen, sich aber bei der Wahl eines Namens wahrlich vergriffen haben. Paradebeispiel: The Standard, ein Name, mit dem man im Internet verloren ist: Egal ob in Google oder Myspace - niemand, der nur den Namen dieser Band kennt, wird jemals einen Ton von ihnen zu hören bekommen. Was für ein doofer Name!

Fast so doof, fast so gut: The Postal Service mussten vor Gericht antreten, weil der gleichnamige amerikanische Post-Dienstleister es nicht goutierte, dass da unter seinem Namen musiziert wird. Schliesslich einigte man sich jedoch gütlich: Die Platten der Band werden nun auch an Postschaltern verkauft.

Schatten über der Tastatur

•Februar 12, 2008 • Keine Kommentare

Wer ist Doppelzunge? - Noch weiss es niemand, auch Doppelzunge selber nicht. Ein Selbstbewusstsein zu haben, überhaupt zu wissen, dass man etwas anderes ist als der Tisch und die Tastatur, vor der man sitzt, das geht nicht von heute auf morgen. Auch Doppelzunge wird dies noch merken müssen.

Was will Doppelzunge? - Noch weiss es niemand, auch Doppelzunge nicht. Hat er überhaupt einen eigenen Willen? Oder hängt er an unsichtbaren Fäden, die Doppelzunge lallen lassen, plaudern lassen, jammern lassen? Gesteuert von einem Fremden, mit einer eisernen Maske womöglich?

Noch ist das alles ziemlich unklar. Und wer das Leben kennt, weiss, dass es das so oder so bleiben wird - auch wenn es vielleicht bald so scheint, als wäre es anders.

Über die Doppelzunge

•Februar 12, 2008 • Keine Kommentare

Doppelzunge: Blastechnik auf Blasinstrumenten, bei der man bei schnellen Passagen die Töne abwechselnd mit d u. k anbläst

doppelzüngig: falsch, je nach Bedarf anders sprechend; -> a. opportunistisch


Auch Schuhe kennen die Doppelzunge