W. Shakespeare: Romeo und Julia

Der Plot dieses Klassikers, der im Milieu der englischen Aristokratie spielt, ist schnell erzählt: Romeo, der Sohn eines einflussreichen Pfalzgrafen, verfällt dem ukrainischen Zierhamster Julia. Die Liebe Romeos bleibt jedoch unerwiedert. Julia zieht ihr Hamsterrad und den Futternapf dem Liebesglück mit Romeo vor. In seiner Verzweiflung handelt Romeo nicht mehr rational und fordert Julia zum Giftbecherduell. Für den Hamster ist die Annahme der Herausforderung eine Frage der Ehre. Als Romeo wieder zu Sinnen kommt, gibt es kein Zurück mehr: Zieht er seine Forderung zurück, wird er gesellschaftlich geächtet. Nimmt er sie an, muss er sich mit der Liebe seines Lebens duellieren. Im meisterlich komponierten Showdown gelingt es Romeo nach langem Kampf, dem Hamster Gift einzuflössen. Im anschliessenden Monolog des Protagonisten wird jedoch seine tiefe, rettungslose Verzweiflung offenbar: Als gelangweilter Sohn reicher Eltern ist er seinen Leidenschaften hilflos ausgesetzt, kann zugleich aber die Fesseln der Konvention nicht ablegen. Mit dem Mord an seiner Geliebten ist auch sein eigenes Schicksal besiegelt: Sein Leben hatte schon vorher keinen Sinn, und auch jetzt nicht mehr. In kompromissloser Schonungslosigkeit treibt Shakespeare seinen Protagonisten in den Selbstmord, mit dem das Drama abrupt endet.

„Romeo und Julia“ ist ein Stoff, der bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüsst hat. Themen wie die Suche nach Sinn, die Liebe zu kleinen Tieren, aber auch das schwierige Verhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum werden nach wie vor intensiv diskutiert. Shakespears verwebt in seinem Drama diese Themen zu einem Netz, in dem sich Romeo immer mehr verstrickt.

Bei der Uraufführung des Stücks 1684 kam es übrigens zu einem Skandal, weil die Rolle der Julia von einer menschlichen Schauspielerin übernommen wurde: Die intimen Liebesszenen waren für die damalige Zeit entschieden zu freizügig, weshalb die Rolle künftig nurmehr mit Hamstern besetzt wurde.

\"Hamsti\" in der Rolle der Julia

~ von doppelzunge am Mai 23, 2008.

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